Über die Behandlung des Flachses, des Garns und der Leinwand
Wasserröste des Flachses
Nur mit Mißfallen beobachtete ich in Thüringen und daran grenzenden Provinzen, die allgemein dort eingeführte Röstung des Flachses, durch Einlegen desselben in Bäche, Teiche und ähnliche Wasserbehälter, indem erstens die benannten Gewässer, durch die in ihrem Schoß erzeugte Fäulnis des Flachses, welche fast überall gleichzeitig bewirkt, bei großen, oft nur durch kurze Zwischenräume getrennten Dörfern, ganze Landstriche einnehmend, eine der Gesundheit für Menschen und Tiere höchst schädliche und ekelhafte Ausdünstung verbreiten, des Nachteils noch besonders zu erwähnen, den die, bei der beschwerlichen Handhabung des in dem Wasser aufgehäuften Flachses angestellten Personen an ihrer Gesundheit erleiden, indem dieses Geschäft großenteils im Spätherbst, wo das Wasser schon sehr kalt ist, verrichtet wird, und jene Leute oft bis über die Knie in demselben stehen oder herum waten, und sich äußerlich bis auf den Tod erkälten müssen, während sie sich innerlich erhitzen. Zweitens ist der Genuss, des bis zum Übermaß von den Bestandteilen des faulenden Flachses geschwängerten Wassers, das in seinem Laufe gleichfalls zur Versorgung der Bierbrauereien und Brennereien, wie zum Tränken des Viehes dienen muß, eben so unappetitlich als schädlich für Menschen und Tiere, von welchen Letzteren besonders die Fische dabei leiden; wofür ich als Beweis anführe: daß ich die kleineren thüringischen Flüsse, wo diese Flachsmanipulation statt findet,

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